Ein Plädoyer für Pflanzen im Garten

· Pro Pflanzen und contra Schotter | Tipps für die Anlage eines Staudenbeetes ·

Date
Mai, 31, 2020

Als ich ins Berufsleben als Gartenarchitektin eingestiegen bin, habe ich sehr schnell gemerkt, dass sehr vielen Leuten, die das Glück haben, einen Garten zu besitzen, nicht wirklich was an ihrem Stückchen Erde liegt bzw. sie sich nicht damit auseinandersetzen wollen. Standardwünsche waren immer, dass er so pflegeleicht wie möglich sein soll, was in vielerlei Hinsichten ja auch nachvollziehbar ist. Dann gab es aber auch sehr oft den Wunsch, dass bitte ja kein Baum eingeplant werden soll, denn Bäume machen ja so viel Dreck. Und überhaupt – alles, was nicht immergrün ist, solle bitte sparsam eingesetzt werden. Denn wenn man ganz genau ist, kann man ja herabfallende Blätter und Blüten mit Atommüll gleichsetzen, der dann schlimmstenfalls im Pool oder auf dem vielfaltsarmen Rasen landen könnte.

Selbstverständlich gibt es auch noch Gartenbesitzer, die Gott sei Dank einen ganz anderen Zugang zum Thema haben, aber die Anzahl derer, die mit Schotter besser können, als mit Pflanzen, ist erschreckend hoch! Das zeigt sich vor allem auch an der zunehmenden Verschotterung der Vorgärten…

Ein Plädoyer für Pflanzen im Garten

Anlass für diesen Blogpost ist ein auf Instagram gepostetes Foto eines Beetes (und ein recht emotionaler Text dazu), das ich gemeinsam mit meiner Freundin Kathi vor drei Jahren in ihrem Garten angelegt habe. Das Foto samt Text hat dann mehr als 1000 Likes und um die 100 zustimmenden Kommentare bekommen und viele wollten wissen, welche Pflanzen wir in diesem Beet gepflanzt haben.

“Es gibt Schotter in den Gärten und dann gibt es sowas wie auf dem Foto. Nennt sich Pflanzen – in diesem Fall genauer gesagt Stauden. Man kann sich den Garten natürlich auch mit Schotter zuschütten. Oder einfach eine mit blühenden Pflanzen bedruckte Plane auf den Zaun spannen. Heute bei meiner Heimfahrt gesehen. Geht natürlich auch, kann man alles machen. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Aber als Haus- und Gartenbesitzer hat man eine gewisse Verantwortung. Eine Verantwortung gegenüber dem Erscheinungsbild unserer ursprünglich sehr schönen Welt und eine Verantwortung gegenüber ökologischer Notwendigkeiten. Und dann wäre da noch die Sache mit der regionalen Baukultur, dem Klimawandel (Stichwort Flächenversiegelung), dem Bienensterben und und und… Aber bei all diesen Themen werde ich immer ungehalten und die Textlänge hier ist begrenzt. Leider. Deshalb – lange Rede, kurzer Sinn: Garten sollte – nein, er MUSS viel mehr sein als Schotter, Thujenhecke und englischer Rasen und das kann, wie in diesem Fall, sooooo schön sein! Und man braucht auch gar kein Glyphosat, weil es – anders als auf einer Schotterfläche – gar nicht gleich auffällt, wenn sich einmal ein Beikraut dazwischenmischt.”

Instagram-Post vom 29. 5. 2020
Ein Plädoyer für Pflanzen im Garten

Auf die Frage nach dem Warum habe ich eigentlich noch keine Antwort gefunden. Ich, mit meiner Denkweise, gehe immer davon aus, dass jedem Menschen ein blühender Vorgarten mit Pflanzen doch besser gefallen muss, als eine Schotterfläche, bei der man mit verschiedenfarbenem Ziersplitt, geometrischen Mustern, Fake-Palmen und mystischen Fabelfiguren aus Kunststoff made in China seinem gestalterischen Drang freien Lauf lassen kann. Sollte es sich dann ein Pflänzchen erlauben, sich in der grauen (oder auch farblich schattierten) Einheitlichkeit aufzubäumen, wird einfach mit der Giftspritze angerückt – Problem gelöst.

Ein Plädoyer für Pflanzen im Garten

Ich denke, dass auch sehr viele Gartenbesitzer einfach gerne das wartungsfreie “Sorglos-Paket” hätten. Das zeigt sich auch darin, dass man statt Holzzäunen nur mehr Zäune aus Kunststoff und Aluminium sieht oder Metallkörbe, die ebenfalls mit Schotter gefüllt sind. Wenn der Mensch schon nicht optisch altern will, dann soll es bitte auch der Gartenzaun nicht. Und Schotter kann man schließlich nie genug haben und schön ist, was gefällt, schon klar. Und Arbeit – die viele Arbeit, die so ein Garten macht… Aber wir dürfen nicht vergessen, dass mit jedem Baum, den wir pflanzen, wir einen Beitrag von unschätzbarem Wert für die Natur und für unser Klima leisten und wir sollten unsere Einstellung, Gartenarbeit als lästig und Laub als Dreck zu empfinden, grundlegend ändern. Denn genau so kann jeder einzelne einen Beitrag für den Kampf gegen den Klimawandel leisten. Auch ich habe es gern ordentlich, aber mein Drang zum Minimalismus drinnen hört bei der Haustüre auf. Außerdem kann auch ein Garten gut strukturiert sein, ohne steril und artenarm zu sein.

Ein Plädoyer für Pflanzen im Garten

Ich bekomme leider sehr selten die Gelegenheit, ein so großes Staudenbeet wie bei meiner Freundin Kathi anzulegen. Die meisten Kunden wollen dafür nichts von ihrem Rasen abtreten und haben Angst, dass so ein Beet wieder einmal zu viel Arbeit macht. Aber ich kann eines garantieren: Ein gut und richtig angelegtes Staudenbeet macht definitiv weniger Arbeit, als die selbe Fläche Rasen!

Das A und O ist hier aber natürlich die richtige Auswahl der Pflanzen. Das bedeutet, die passenden Pflanzen für den vorhandenen Boden und die gegebenen Lichtverhältnisse in der richtigen Menge. Ich bin prinzipiell kein Freund von fertigen Pflanzlisten und -plänen, die man dann einfach 1:1 in jedem Garten anwendet. Aber es gibt sehr wohl Stauden, die fast immer “funktionieren” und die – am richtigen Standort gepflanzt – absolut pflegeextensiv sind. Den Garten, der keine Pflege braucht, gibt es nicht, auch dann nicht, wenn er nur aus einer Schotterschicht und Dekoobjekten besteht. Auch Unkrautvlies und eine dicke Schicht Rindenmulch sind kein Allheilmittel, im Gegenteil. Auf so etwas sollte eigentlich grundlegend verzichtet werden.

Ein Plädoyer für Pflanzen im Garten

Dieses Beet, das wir bei Kathi angelegt haben, ist ca. 10 m lang und 3 m breit, ergibt also eine Fläche von 30 qm. Und es lohnt sich auf alle Fälle, so viel Fläche für eine Staudenpflanzung einzuplanen, denn nur so kann man eine Pflanzung mit einer attraktiven Struktur und auch mit Fernwirkung schaffen. Wobei die Gesamtfläche weniger wichtig ist, als die Tiefe eines Beetes. Ich würde für attraktive Staudenbeete immer eine Mindesttiefe von zwei Metern empfehlen – nur so kann man auch eine schöne Höhenstaffelung schaffen. Außerdem möchte ich euch empfehlen – gerade wenn man kein Profi oder erfahrener Hobbygärtner ist – wenig verschiedene Stauden zu pflanzen, dafür aber immer sich wiederholende Gruppen der selben Art. Das erleichtert die Pflege und sorgt für eine gute Wirkung der einzelnen Arten und Farben.

Auch die Bodenvorbereitung ist essentiell für ein Erfolgserlebnis. Kathi’s Beet ist komplett sonnig ausgerichtet, das bedeutet, dass die Stauden den ganzen Tag volle Sonne abbekommen. Die verwendeten Arten wären in einem halbschattigen Beet völlig fehl am Platz und gerade bei der Standortwahl werden viele Fehler gemacht. Des Weiteren war mir auch wichtig, Arten zu verwenden, die es gerne heiß und trocken mögen, also genau richtig für unser pannonisches Klima (wir leben im Nordosten Österreichs) und die mit einem Minimum an Wasser auskommen. Trockenheitsverträgliche Stauden brauchen aber im Normalfall auch sehr durchlässige Böden, deshalb ist es wirklich empfehlenswert (vor allem bei eher schweren Böden), leichtes Material in ausreichender Menge einzuarbeiten. Im Fall von Kathi’s Beet wurden rund 10 cm Ziegelsplitt aufgebracht und bei der tiefgründigen Bodenlockerung gleich eingearbeitet. Natürlich sollte vor der Bodenlockerung sämtliches Unkraut manuell (bitte keine glyphosathältigen Mittel wie z.B. “Roundup” o. ä. Totalvernichtungsmittel verwenden!!) entfernt werden.

Der nächste wichtige Punkt bei der Anlage eines Staudenbeetes ist die richtige Anzahl der Pflanzen und die passenden Pflanzabstände. Hier werden von Laien erfahrungsgemäß die meisten Fehler gemacht, weil viele einfach nicht wissen, wie groß manche Stauden werden und vor allem wie schnell das geht. Meistens ist hier weniger wirklich mehr! Ergänzen kann man immer noch. Auch die Höhe der einzelnen Arten muss natürlich berücksichtigt werden.

So, jetzt komme ich endlich zum interessantesten Teil für die wahrscheinlich meisten von euch, nämlich der Pflanzenliste. Aber ich wäre nicht ich, hätte ich hier einfach nur die Liste veröffentlicht, ohne viele – aus meiner Sicht wichtige – Hinweise dazu abzugeben. :)
Folgende Pflanzen haben wir in diesem Beet gepflanzt:

  • Miscanthus sinensis ‘Gracillimus’ – Chinaschilf
  • Calamagrostis x acutiflora ‘Overdam’ – Gestreiftes Reitgras
  • Stipa gigantea – Riesen-Federgras
  • Phlomis russeliana – Brandkraut
  • Achillea Filipendulina-Hybride ‘Credo’ – Schafgarbe
  • Sedum Telephium-Hybride ‘Matrona’ – Hohe Fetthenne
  • Knautia macedonica – Purpur-Witwenblume
  • Nepeta x faassenii ‘Walkers Low’ – Katzenminze
  • Salvia nemorosa ‘Caradonna’ – Steppen-Salbei
  • Eremurus himalaicus – Himalaya-Steppenkerze

Die Gräser, Phlomis und Achillea wurden jeweils einzeln gepflanzt mit großzügigen Pflanzabständen, Sedum, Nepeta und Salvia immer in Gruppen aus rund drei Pflanzen. Eremurus und Knautia haben haben wir quer durchs Beet in den Lücken verteilt. Leider haben nicht alle Eremurus überlebt, da ihre fleischigen Wurzeln extrem empfindlich auf Winter- und Staunässe reagieren.

Kathi handhabt es mit der Pflege so, dass sie, solange die Stauden nach dem Austrieb im Frühling noch keinen dichten Teppich bilden, zwei- bis dreimal jätet. Gewässert muss wirklich nur in sehr langen Trockenperioden werden, ausgenommen in der Anwuchsphase. Nach der ersten Blüte können Salvia und Nepeta bodentief zurückgeschnitten werden. Sie treiben dann unverzüglich neu aus und blühen ein zweites Mal bis in den Herbst hinein.
Vor allem die Gräser, Phlomis und Achillea sind auch im Winter mit ihrem ornamentalem Wuchs wunderschön anzusehen und sollten deshalb erst im Frühling zurückgeschnitten werden. Auch bieten sie so Unterschlupf für eine Vielzahl von Insekten für ihren Winterschlaf.

Ein Plädoyer für Pflanzen im Garten

Das Thema der Stauden ist ein wahnsinnig vielfältiges und interessantes, mein absolutes Lieblingsthema im Bereich der Gartengestaltung. Sollte jemand Gartenneuling sein und sich eine schöne Pflanzung wie diese in seinem Garten wünschen, würde ich immer empfehlen, einen Profi mit Staudenschwerpunkt zu Rate zu ziehen.

Sollte jemandem, trotz meiner eindringlichen Worte und der Fotos von diesem schönen Staudenbeet, immer noch ein Schotterbeet besser gefallen, dem empfehle ich die Seite Gärten des Grauens (auch auf Instagram) für ganz tolle Anregungen fürs persönliche Paradies…

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